Weihnachtsprogramm im GEZ-Nebel: Eine zynische Bilanz

28. Dez. 2025 | Allgemein

Weihnachtsprogramm im Gebührennebel: Zynische Bilanz

Wenn Sie an Weihnachten kurz vergessen wollten, dass wir im Jahr 2025 leben, dann haben die gebührenfinanzierten Sender eine rührende Hilfestellung geleistet: einfach das Programm so gestalten, als wäre die Zeit stehen geblieben. Das ist nicht nur Nostalgie. Das ist eine Dienstleistung. Eine Art betreutes Fernsehen für alle, die beim Wort „Neuproduktion“ nervös werden.

Gefühlt lief kein einziger Film, der jünger als 15 Jahre ist. Gefühlt. Und das ist das Schöne an Gefühlen: Sie sind kostenlos. Im Gegensatz zum Rest.

Die große Wiederholung als Geschäftsmodell

Man muss es den Verantwortlichen lassen: Kontinuität können sie. Während private Sender an Weihnachten wenigstens offen zugeben, dass sie das Publikum mit „Best of“ und Werbeblöcken zuckern, wirkt es bei den Gebührenanstalten eher wie ein kultureller Wartungsmodus.

Das Muster ist zuverlässig wie ein Toaster:

  • Der Klassiker, den Sie schon kennen.

  • Der Klassiker, den Sie schon kennen, aber diesmal mit anderem Senderlogo.

  • Der Klassiker, den Sie schon kennen, aber diesmal als „Event“.

  • Und irgendwo dazwischen ein „besonderer Fernsehfilm“, der sich anfühlt wie ein Recyclinghof für Drehbücher aus der Schublade.

Natürlich könnte man das „Tradition“ nennen. Man könnte aber auch „Risiko-Minimierung auf Ihre Kosten“ sagen.

Wo die Gebühren hinfließen: Nicht in Ihre Gegenwart

Irgendwann stellt sich zwangsläufig die Frage: Wenn schon nicht in frische Filme, wohin dann?

Die ehrlichste Antwort wäre vermutlich: in sehr viele Dinge, die für den Zuschauer nicht nach „besserem Programm“ aussehen. Verwaltung, Gremien, Abstimmungsrunden, Gremien für die Abstimmungsrunden, und zur Sicherheit noch ein Arbeitskreis, der klärt, ob der Arbeitskreis überhaupt arbeitskreisfähig ist.

Und ja, auch in Inhalte. Nur halt nicht unbedingt in solche, bei denen Sie beim Durchzappen kurz denken: „Ah, dafür zahle ich also.“ Eher in solche, bei denen Sie denken: „Das läuft seit meiner ersten Fernbedienung.“

„Aber die privaten Sender waren auch nicht besser“

Stimmt. Die privaten Sender haben Weihnachten ebenfalls nicht neu erfunden. Nur gibt es einen kleinen Unterschied, der im Alltag gern untergeht: Dort zahlen Sie nicht verpflichtend. Sie zahlen mit Zeit, Aufmerksamkeit und Nerven. Das ist auch unerquicklich, aber immerhin konsequent: Wenn Sie wegschalten, ist der Schaden begrenzt.

Beim Rundfunkbeitrag ist Wegschalten eher symbolischer Protest. Sie können den Fernseher ausschalten, aber die Rechnung bleibt erstaunlich unbeeindruckt.

Bevor Sie die Mistgabel holen: Die Gegenargumente, leider plausibel

Damit wir fair bleiben, bevor wir uns wieder in den warmen Zynismus einkuscheln: Es gibt rationale Gründe, warum sich Weihnachtsprogramm so anfühlt, wie es sich anfühlt.

  1. Rechte und Kosten: Neuere Filme sind oft teurer, komplizierter in der Lizenzierung oder exklusiv bei Streamingdiensten gebunkert.
  2. Zielgruppenlogik: Weihnachtsprogramm ist das Lagerfeuer des linearen Fernsehens. Das funktioniert mit Bekanntem besser als mit Experimenten.
  3. Planungshorizont: Sender planen langfristig. Und wenn ein System auf Sicherheit getrimmt ist, gewinnt das Altbewährte fast automatisch.

Alles richtig. Nur führt es zu einer unbequemen Anschlussfrage: Wenn das Ergebnis jedes Jahr dasselbe ist, ist dann nicht das System das eigentliche Programm?

Das eigentliche Ärgernis: Nicht alt, sondern einfallslos

Es geht nicht darum, dass alte Filme per se schlecht wären. Manche Klassiker sind Klassiker, weil sie gut sind. Das Problem ist die Mischung aus Anspruch und Realität.

Wenn ein Sender sich als kultureller Leuchtturm versteht, dann wirkt es unerquicklich, wenn das Weihnachtsangebot eher wie eine Dauerwerbesendung für das Jahr 2008 aussieht. Und wenn der Laden über Pflichtbeiträge finanziert wird, steigt automatisch die Erwartung, dass man mehr bekommt als das, was man sowieso schon kennt.

Kurz gesagt: Nicht das Alter nervt. Sondern die Bequemlichkeit, mit der es als Konzept verkauft wird.

Was wäre eigentlich zu viel verlangt?

Niemand verlangt, dass jedes Weihnachtsprogramm ein kuratiertes Festival für moderne Filmkunst ist. Aber ein paar Dinge wären realistisch:

  • Mehr Mut bei der Auswahl: Nicht nur die Top 20 der immergleichen Wohlfühlfilme.

  • Mehr aktuelle europäische Produktionen: Gerade da, wo öffentlich-rechtliche Sender theoretisch einen Unterschied machen könnten.

  • Weniger „Event“-Etikett auf Wiederholungen: Wenn etwas zum zehnten Mal läuft, ist das kein Event. Das ist Inventur.

  • Transparenz im Anspruch: Entweder man sagt offen „Wir liefern Tradition“, oder man liefert tatsächlich Vielfalt und Aktualität.

Das wäre kein Angriff auf Weihnachten. Das wäre nur ein Zeichen dafür, dass die Gegenwart im Budget nicht komplett gestrichen wurde.

Fazit: Weihnachten wie früher – nur teurer

Am Ende bleibt dieses Gefühl, das sich jedes Jahr einschleicht: Sie zahlen für ein System, das sich gern groß erklärt, aber im Alltag erstaunlich klein liefert. Und wenn Sie dann an den Feiertagen durch die Sender klicken und wieder bei den üblichen Verdächtigen landen, kommt diese einfache, toxische Frage hoch:

Wenn das Programm so aussieht, als hätte es seit 15 Jahren niemand ernsthaft angefasst – warum fühlt sich die Finanzierung so modern und alternativlos an?

Vielleicht ist das der wahre Weihnachtszauber: Aus Pflichtbeiträgen eine Stimmung zu machen, die sich anfühlt wie Second-Hand. Festlich verpackt. Mit Schleife. Und garantiert schon mal dagewesen.

Wenn Sie jetzt entschlossen sind, den Fernseher auszuschalten: Glückwunsch. Das ist vermutlich die konsequenteste Programmentscheidung dieses Jahres.

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